Nicolai Hartmann



Würdigung eines Vorläufers moderner wissenschaftsorientierter Philosophie

Nicolai Hartmann
Grundlinien einer wissenschaftlich orientierten Philosophie
Francke Verlag, Tübingen 1992
- zur Zeit vergriffen -



Aus dem Vorwort

"Martin Heidegger und Nicolai Hartmann gelten als die beiden bedeutendsten Neubegründer der Ontologie in der deutschen Philosophie des 20. Jahrhunderts. Während der Einfluß Heideggers jedoch noch immer wächst, ist Hartmann zunehmend in Vergessenheit geraten. Diese wirkungsgeschichtliche Tatsache ist umso erstaunlicher, wenn man ihren jeweiligen Beitrag zu den klassischen Problemen der Philosophie in Erwägung zieht. Auch wenn man über die systematische Bedeutung von Heideggers philosophischem Werk verschiedener Meinung sein kann, sollte doch kein Zweifel daran bestehen, daß Heidegger, im Gegensatz zu Hartmann, keinen nennenswerten Beitrag zu den im folgenden ausgewählten erkenntnistheoretischen und ontologischen Grundproblemen geleistet hat. Kein Zufall dürfte es auch sein, daß Hartmann, im Gegensatz zu Heidegger, als kritischer Widerpart weder vom Logischen Empirismus noch von der Analytischen Philosophie rezipiert worden ist. Heideggers „Fundamentalontologie“ und „Seinsdenken“ eignen sich eben weitaus besser für „analytische“ Erkenntnis- und Methodenkritik als Hartmanns nüchternes, den Einzelproblemen hingegebenes und zudem den Wissenschaften verpflichtetes Philosophieren. Anders als Heidegger ist Hartmann nämlich ein ausgesprochen wissenschaftlich orientierter Philosoph. Nachdem nun seit einiger Zeit das ontologische Denken im Umkreis der Analytischen Philosophie, vor allem bei Popper und Bunge, eine Wiederkehr erlebt, scheint es mir an der Zeit zu sein, die Frage nach Hartmanns systematischem Beitrag zu Erkenntnistheorie und Ontologie neu zu stellen. Ich werde zu zeigen versuchen, daß Hartmann das Schicksal des Vergessenwerdens nicht verdient hat, weil er mit seiner theoretischen Philosophie, insbesondere mit seiner Ontologie, ein wichtiger Vorläufer der gegenwärtigen, von Physik und Biologie ausgehenden Ansätze einer wissenschaftlich orientierten Philosophie ist."

Pressestimmen

Koreanische Übersetzung (2001)

„Martin Morgenstern legt mit seinem Buch, das die bisherige, einzelnen Aspekten der systematischen Philosophie Hartmanns gewidmete deutschsprachige Literatur auswertet und belegend heranzieht, den ersten und verdienstvollen Versuch einer umfassenden Darstellung bzw. Würdigung vor...
Morgensterns Buch darf als eine für alle an theoretischer Philosophie Interessierten nützliche Einführung in die kritische Ontologie Hartmanns angesehen werden, die bei Kritischem Realismus und Evolutionärer Erkenntnistheorie nahe stehenden Naturwissenschaftlern und Wissenschaftsphilosophen ein besonderes Interesse an der ausstehenden Hartmann-Rezeption wecken dürfte.“
Christian Möckel, Deutsche Zeitschrift für Philosophie 3/1993

„Morgenstern Einführung und Durchblick vermittelt eindringlich den Gehalt [von Hartmanns] umfassende[r] Weltsicht; vielleicht wird sie später einmal als bleibender Beitrag des Jahrhunderts zur philosophia perennis gelten.“
Hermann Riefstahl, Philosophischer Literaturanzeiger, 2/1994
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Eine Einführung in das Gesamtwerk

Nicolai Hartmann zur Einführung
Junius Verlag, Hamburg 1997



Aus der Einleitung

"Nicolai Hartmann gilt zusammen mit Henri Bergson, Alfred N. Whitehead und Martin Heidegger als der wichtigste Erneuerer der Metaphysik im 20. Jahrhundert. Außerdem ist Hartmann einer der Hauptvertreter des kritischen Realismus und, zusammen mit Max Scheler, der Begründer der »materialen Wertethik«. Hartmanns Schriften gehören zu den bedeutendsten Werken der modernen Erkenntnistheorie, Metaphysik und Ethik. Diese philosophiegeschichtliche Einordnung liefert aber noch kein adäquates Bild von Hartmanns Werk. Erst wenn man hinzufügt, daß seine Ontologie, einschließlich Naturphilosophie und Philosophie des Geistes, insgesamt fünf Bände umfaßt und daß er, außer zur Erkenntnistheorie und Ethik, auch zur Ästhetik ein großes Werk geschrieben hat, wird Hartmann als der Schöpfer des wohl umfassendsten philosophischen Systems des 20. Jahrhunderts erkennbar — ein Werk, das in Anlage und Durchführung den Vergleich mit den großen Systemkonzeptionen von Aristoteles und Hegel nicht zu scheuen braucht."

Pressestimmen

„Die vorliegende Einführung in das Denken Nicolai Hartmanns wird dem, was eine solche Einführung vernünftigerweise leisten kann, durchaus gerecht. Sie informiert in verständlicher Form und nicht ohne didaktisches Geschick über die Biographie und die verschiedenen Arbeitsgebiete [von] N. Hartmanns Erkenntnistheorie, Ontologie, Naturphilosophie, Philosophie des Geistes, Ethik und Ästhetik und blendet auch die Wirkungsgeschichte des Hartmannschen Denkens nicht aus...
M. entdeckt bei Hartmann ‚eine Reihe von Berührungspunkten mit der aktuellen Diskussion’ und begründet das damit, dass Hartmanns Realismus‚auf die Ansätze Poppers und der evolutionären Erkenntnistheorie vorverweist’ (175) und seine Schichtenlehre als Vorläufer der modernen systemtheoretischen Schichtenlehre gelten könne, wie sie etwa von Bunge vertreten wird. Es bleibt abzuwarten, wieweit die These M.s, dass ‚Hartmanns Ontologie, einschließlich der Philosophie der Natur und des Geistes, Analysen und Lehrstücke’ enthält, ‚deren Fruchtbarkeit noch keineswegs ausgelotet ist’ (ebd.), durch entsprechende Einzeluntersuchungen zu diesen Theoriestücken eine Bestätigung erfährt.“
H.-L. Ollig, S.J., Zeitschrift für Theologie und Philosophie 3/1998

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Ein marxistischer Hartmann-Kenner

Martin Morgenstern (Herausg.)
Wolgang Harich: Nicolai Hartmann. Leben, Werk, Wirkung

Königshausen & Neumann, Würzburg 2000

Aus dem Vorwort des Herausgegebers

"Im Juli 1991 besuchte ich Harich zum erstenmal in seiner Berliner Wohnung. Das Gespräch über Hartmann eröffnete er mit dem Satz: 'Ja, Nicolai Hartmann – ich halte ihn für den Größten in unserem Jahrhundert!' Dies aus dem Munde eines Marxisten zu hören, überraschte mich sehr. Meine Verwunderung wurde noch größer, als sich Harich in der Folge als exzellenter Hartmann-Kenner entpuppte. Mit großem Interesse hörte ich ihm zu, wie er von seinen persönlichen Begegnungen mit Hartmann erzählte und wie er erläuterte, warum er die Philosophie Hartmanns für so überaus wichtig hielt, obgleich er dessen politische Grundhaltung zutiefst mißbilligte. Schließlich wies er auf eine umfangreiche Arbeit über Hartmann hin, die unveröffentlicht in seiner Schreibtischschublade lag. Nach diesem Besuch schickte ich Harich das vollständige Manuskript meines Hartmann-Buchs und blieb mit ihm in brieflichem und telefonischem Kontakt.
Im Juli 1992 besuchte ich Harich zum zweitenmal. Im Vorfeld hatte er mir bereits angedeutet, etwas mit mir 'vorzuhaben'. Zu Beginn unseres Gespräches, das ich diesmal auf Band aufzeichnete, erklärte er mir, daß er keine Hoffnung mehr habe, sein Werk über Hartmann noch zu vollenden und zu veröffentlichen. Andere, vordringlichere Arbeiten, insbesondere seine Auseinandersetzung mit Nietzsche, hätten seinerzeit die Fertigstellung des Werks verhindert, und nunmehr, nach der Wende von 1989, seien die politischen Voraussetzungen, unter denen das Werk konzipiert worden sei, nicht mehr gegeben. Da es ihm jedoch um die 'Sache' gehe, nämlich darum, daß die Früchte seiner Hartmann-Forschung nicht verloren gingen, überlasse er mir seine Hartmann-Manuskripte zur 'beliebigen Verwendung'. Er erlaubte es mir ausdrücklich, die Manuskripte wie einen 'Steinbruch' für meine eigenen Hartmann-Studien zu nutzen. Mit keinem Wort erwähnte er, daß ich die Manuskripte veröffentlichen solle, doch war dies sicher sein Wunsch gewesen. Meiner anderen philosophischen Grundorientierung stand Harich aufgeschlossen gegenüber, und in meiner Hartmann-Arbeit sah er, wie aus einer handschriftlichen Randnotiz hervorgeht, die erste Auseinandersetzung mit Hartmann von 'positivistischer' Seite. Harich war sich darüber im klaren, daß ich seiner marxistischen Sicht in vielem nicht zustimmen würde, als er mir am Ende unseres Gesprächs das Manuskript 'Zur Geschichte von Leben, Werk und Wirkung' Nicolai Hartmanns überreichte.

 

Martin Morgenstern (Herausg.)
Wolfgang Harich: Nicolai Hartmann - Größe und Grenzen.

Versuch einer marxistischen Selbstverständigung
Königshausen & Neumann, Würzburg 2004

 

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Aufsätze zu Nicolai Hartmann


Vom Idealismus zur realistischen Ontologie.
Das Frühwerk Nicolai Hartmanns
in: http:// philosophy-e.com/ 5/2013.
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Nicolai Hartmann
in: Die deutsche Philosophie im 20. Jahrhundert,
hrsg. von Thomas Bedorf / Andreas Geilhard,
Darmstadt 2013, S.135-137.

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Rez.: Von der Systemphilosophie zum systematischen
Philosophieren. Nicolai Hartmann
hrsg. von Gerald Hartung, Matthias Wunsch, Claudius Strube
in: Phil. Literaturanzeiger 66/3/2103, S.270-277.

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Studien

Nicolai Hartmann und seine Zeitgenossen

hier